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OSTERINSEL

Das einsamste Eiland der Welt - Von Gottfried Weller

G. Weller-Foto: AHU TONGARIKI auf der Osterinsel - Erst seit 1996 stehen die 15 Moais wieder auf dem Ahu.

Carlos strahlt mich an - noch immer ungläubig, dass wir uns eben, nach 18 Jahren, auf der Osterinsel wieder getroffen haben. "Wir sollten eine Insel-Rundfahrt machen wie in alten Zeiten", schlägt er vor. Damals, in den 70er und 80er Jahren, besuchte ich insgesamt fünfmal dieses mysteriöse Pazifik-Eiland, das man eigentlich nur aus dem Lexikon kennt. Und Carlos war oft mein Begleiter bei den Ausflügen auf seiner Insel, er zeigte mir die interessantesten Gegenden, erklärte die Geschichte und Kultur.

"Du wirst sehen, es hat sich viel verändert hier, aber die Moais sind alle noch da", meint er nun lachend. Moais werden die mehr als 900 geheimnisvollen Statuen genannt, die seit Jahrhunderten das Gesicht der Osterinsel prägen. Die ungelösten Rätsel um die steinernen Riesen - die meisten sind zwischen drei und sechs Meter groß - beschäftigen die Phantasien von Wissenschaftlern und Touristen. Warum wurden einst die legendären Kolosse geschaffen? Wie ist es gelungen, sie kilometerweit zu transportieren und dann auf Steinplattformen (Ahus) aufzurichten? Welche Ursache gab es für den plötzlichen Stopp der Moai-Produktion, und wieso hat man die Giganten später umgestürzt? Fragen, die noch immer nicht zweifelsfrei beantwortet werden können.

Die Osterinsel ist vulkanischen Ursprungs, knapp 164 Quadratkilometer groß und hat die Form eines Dreiecks. Erloschene Vulkane (höchste Erhebung: 507 Meter) markieren die grasbewachsene, hügelige Landschaft, die nur wenige bewaldete Gebiete aufweist. Ein vor den Wellen schützendes Korallenriff gibt es nicht, so dass die volle Wucht der Meeresbrandung auf das schroffe, schwarze Lavagestein der Küsten trifft.

Entdeckt wurde die Insel zu Ostern 1722 von dem holländischen Seefahrer Jacob Roggeveen - er gab ihr deshalb den Namen Osterinsel. Sie war von Polynesiern bewohnt. Nach einer dramatischen Vergangenheit gehört sie seit 1888 zu Chile. In den endlosen Weiten des Südpazifik gelegen, ist sie die einsamste Insel der Welt. Das chilenische Festland (mit dem nächsten Flugplatz) befindet sich 3.765 Kilometer östlich, die Insel Tahiti (Französisch Polynesien) ist 4.239 Kilometer westlich.

Wer zur Osterinsel fliegen will, muss eine Boeing 767 der LAN Chile in der Haupstadt Santiago oder in Papeete (Tahiti) besteigen, die Airline besitzt das Monopol auf diesen Strecken. Am kleinen, inzwischen ausgebauten Flughafen Mataveri warten - wie früher - Insulaner auf die ankommenden Passagiere, um ihnen Privatunterkünfte anzubieten, inklusive Airport-Transfer. Man braucht also nicht unbedingt eine Vorausbuchung, irgendwo sind stets Zimmer frei.

Es gibt etwa ein Dutzend Hotels und 25 private Pensionen. Rapa Nui (Entferntes Land) heißt die Insel bei ihren Bewohnern, auch Te Pito o te Henua (Nabel der Welt). Auf Spanisch, der offiziellen Sprache, sagt man Isla de Pascua, im Englischen Easter Island. Doch die Einheimischen verständigen sich auch im polynesischen Dialekt Rapa Nui (ein Pflichtfach in den Schulen). Englisch sprechen nur wenige. Hanga Roa ist die einzige Siedlung der Insel. Schon beim ersten Spaziergang durch den hübschen Ort an der Westküste fallen mir einige der Veränderungen auf, die Carlos angedeutet hat: die zahlreichen Autos (mehr als 1.000 sollen es sein), dazu Motorräder und Mopeds. Etwa 100 Taxis bieten ihren Service an.

Doch andere öffentliche Verkehrsmittel kennt man nicht, auch Verkehrsampeln (noch) nicht. Die wichtigsten Straßen sind gepflastert, früher waren sie unbefestigt und mit rotem Vulkanstaub bedeckt. Bei Dunkelheit werden sie weiterhin entweder gar nicht oder nur spärlich beleuchtet. Neu für mich zudem die vielen Läden, Restaurants und Cafes - sowie die unzähligen Hunde. Ein Stück Alltag, wie er früher war, sind die Pferde: Über 3.000 laufen frei umher. Jedes Pferd hat einen Besitzer, für den das Tier ein Statussymbol ist. Da jagen wild aussehende junge Männer mit langen Haaren auf ihren Vierbeinern durch die Siedlung, als gäbe es noch keine Fahrzeuge. Kinder und Jugendliche reiten nach der Schule - nun oft ein Surfbrett unterm Arm - zur nächsten Küste. Oder Pferde grasen zwischen den Moais. Nahezu alle der rund 5.000 Insulaner wohnen in Hanga Roa, von ihnen sind aber nur noch ca. die Hälfte echte Rapa Nui, also hier Geborene polynesischer Abstammung. Sie gelten als freundlich und hilfsbereit, stolz und selbstbewusst, in Traditionen fest verwurzelt, doch aufgeschlossen und westlich orientiert.

Die Bevölkerungszahl hat sich, besonders durch die Zuwanderung von Festland-Chilenen, seit 1989 mehr als verdoppelt. Viele Einheimische wollen eine strenge Regulierung oder den Stopp der Zuwanderung. Zu Beginn der Insel-Tour fährt Carlos mit mir von Hanga Roa die Südküste entlang, wo wir zunächst auf etliche der ab Ende des 17. Jahrhunderts gewaltsam umgestürzten Steinkolosse treffen. Sie liegen auf dem Gesicht, ihr zylinderförmiger Pukao (Hut, Haarknoten oder Kopfschmuck?) aus rotem Felsgestein daneben, als wäre es eben erst geschehen. Stammeskriege waren vermutlich die Ursache für diesen zerstörerischen Vandalismus. Eindrucksvolle Bilder einer untergegangenen Kultur! Seit 1956 wurden insgesamt 43 Moais von Archäologen wieder auf steinerne Altare, die heiligen Ahus, gestellt. Fortsetzung »


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Last updated 30 March 2015


G. Weller-Foto: TAPATI-FESTIVAL auf der Osterinsel. Die Männer tragen einen Lendenschurz.

G. Weller-Foto: Mehr als 3.000 Pferde laufen auf der Osterinsel frei umher. Sie sind bei den Einheimischen noch immer ein beliebtes Fortbewegungsmittel.

G. Weller-Foto: Einzige Skulptur der Osterinsel mit Augen