Travel & Lifestyle magazinPazifik News

PazifikNews Travel & Lifestyle


FEATURES


LINK LISTINGS


Campervans New Zealand


OSTERINSEL

Hier wird auch Deutsch gesprochen - Von Gottfried Weller

G. Weller-Foto: Geheimnisvolle Statuen auf der Osterinsel

Auf einer holprigen Abzweigung der Küstenstraße erreichen wir schließlich den Vulkan Rano Raraku, die ehemalige Moai-Produktionsstätte. Hier wurden etwa im Zeitraum von 900 bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die tonnenschweren Statuen in mühevoller Arbeit aus dem grauen Felsen gehauen, dann vorwiegend an die Küsten transportiert und dort auf Ahus aufgerichtet - wahrscheinlich zu Ehren verstorbener Häuptlinge und zum Schutz der Bewohner. An den äußeren und inneren Krater-Abhängen des Rano Raraku sind rund 400 Moais zu bewundern. Die meisten stecken bis zur Brust oder zum Hals in der Erde - ursprünglich in tiefen Gruben stehend, bereit zum Transport. Aber im Laufe der Jahrhunderte hat die Natur die Gruben zugeschüttet, so dass bloß noch der Kopf dieser Giganten oder ihre obere Körperhälfte sichtbar sind. Andere blieben auf den Transportwegen liegen.

Weil die Moai-Produktion aus unbekannten Gründen plötzlich abgebrochen wurde, kann man auch unfertige Statuen sehen, die noch mit dem Felsen verbunden sind - z.B. am äußeren Abhang den größten Koloss (21,60 Meter). Auf der Innenseite des Vulkans sind die Moais dem Kratersee zugewandt. Der Rano Raraku und andere Regionen der Insel gehören zum Rapa Nui National Park, der Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. "Eine Attraktion kennst du noch gar nicht", sagt Carlos, als wir den Vulkan verlassen. Es ist der Ahu Tongariki unweit des Rano Raraku, die größte Zeremonialplattform Polynesiens: 15 Moais stehen dort auf einem 180 Meter langen Ahu - mit dem Rücken zum Meer wie jede der auf Ahus platzierten Statuen an den Küsten. Die Tongariki-Riesen (der höchste misst 8,90 Meter) wurden von 1992 bis 1996 mit technischer Hilfe Japans wieder aufgestellt. Einst waren auch sie vom Ahu gestürzt worden, und 1960 hatte ein gewaltiger Tsunami sie mitsamt der Plattform land-einwärts gespült. An der Nordküste besuchen wir zwei kleine Strände, Anakena und Ovahe Beach - die einzigen der Osterinsel, wenn man die beiden winzigen Strände von Hanga Roa nicht mitzählt. Der schönste ist Anakena mit weißem Sand und einem Kokospalmen-Wäldchen. Südsee-Romantik! Auch einige Moais sieht man hier, u.a. jenen, der 1956 als erster wieder aufgerichtet wurde. Versteckt in einer Bucht liegt der Ovahe Beach. Rano Kau, der Vulkan an der südlichen Ecke des Insel-Dreiecks, hat zwar keine Moais, ist aber trotzdem ein populäres Ausflugsziel. Denn oben, am ca. 300 Meter hohen Kraterrand, liegt die Zeremonialstätte Orongo mit ihren Felszeichnungen. Das war der Ort für den Vogelmann-Kult. Atemberaubend der Blick zu drei vorgelagerten Mini-Felsen-Inseln, zur steilen Kraterwand und zum Kratersee! (Orongo-Eingang per Auto erreichbar.) Tourismus ist inzwischen die Haupteinnahmequelle der Osterinsel. Im Jahr 2006 kamen rund 50.000 Touristen, 2007 sollen es fast 60.000 gewesen sein. 1989 - als ich zuletzt hier war - zählte man bloß 5.000 Gäste. Die Insel kann man auf geführten Touren per Jeep, Bus oder Pferd erkunden, auf eigene Faust mit einem gemieteten Fahrzeug oder teils zu Fuß. Nicht wenige Insulaner sind meisterhafte Holzschnitzer oder Steinmetze und fertigen vor allem kleine Moais als Souvenirs für die Besucher an. Deutsch wird auf der Osterinsel auch gesprochen, denn zehn Bewohner stammen aus Österreich, Deutschland oder der Schweiz! Ein neues Zuhause an diesem isolierten Ende der Welt fand z.B. der Österreicher Nikolaus Kaltenegger. Mit seiner einheimischen Frau leitet er das renommierte Hotel Gomero, ein Familienunternehmen. 1990 war er als Tourist gekommen. "Besonders für meine Kinder ist die Insel ein sicheres Umfeld", betont er. "Es gibt so gut wie keine Kriminalität, die Luft ist sauber, das Klima angenehm." Der Schweizer Josef W. Schmid, seit 1991 auf Easter Island und auch mit einer Insulanerin verheiratet, arbeitet als Reiseleiter und Exkursionsberater. Er beobachtet mit Sorge die Entwicklung sei-ner Wahlheimat. "Rapa Nui ist weder auf den zunehmenden Tourismus vorbereitet, noch auf die schnellen gesellschaftlichen Veränderungen", meint er. Trotzdem fühle er sich wohl hier. In der Schweiz zu wohnen, wäre ihm zu langweilig. Ein Problem müsse schnellstens gelöst werden - die mangelhafte Müll-Entsorgung. Stephanie Pauly aus Köln, deren ungewöhnlicher Lebensweg in ihrem Buch "Aufbruch in ein neues Leben" nachzulesen ist, hatte 1996 aus Liebe zu einem Osterinsulaner ihre sichere Existenz als Lehrerin in Deutschland aufgegeben und lebt seither glücklich mit ihm auf der Insel. "Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen den Kulturen", sagt sie. Schon seit 1976 ist der ehemalige Hamburger Christian Walter ein Bewohner der Osterinsel. Er besitzt einen Buchladen und arbeitet oft als Lektor auf Expeditions-Kreuzfahrtschiffen. Walter plädiert dafür, gezielt einen kulturellen Tourismus zu fördern. "Viele Insulaner klagen über 'Billig-Tourismus' bzw. unkontrollierte Besuche im Nationalpark." Ein Höhepunkt des Insel-Lebens ist sonntags der Gottesdienst in der katholischen Kirche. Leidenschaftlich und im gleichförmigen Rhythmus werden die Choräle gesungen. Interessante Informationen hält das Museum am Rande von Hanga Roa bereit - u.a. über Rongo Rongo, die bisher nicht eindeutig entschlüsselte Bilderschrift. Moais "bewachen" auch den Bootshafen in Hanga Roa. Ein Spaziergang von dort Richtung Norden, vorbei am Friedhof, führt zu den Statuen von Tahai. Hier befindet sich der einzige "sehende" steinerne Riese. Vor einigen Jahren wurden dem 4,75 Meter großen Moai, der einen Pukao trägt, Augen aus weißem und rotem Gestein eingesetzt. Weiter nordöstlich, im Insel-Inneren, sind die sieben Moais des Ahu Akivi - die einzigen auf Plattformen stehenden Moais, die zum Meer blicken. Wirtschaftlich geht es der Bevölkerung wesentlich besser als bei meinen früheren Besuchen. Doch das Leben auf Easter Island ist nicht billig, denn nahezu alle Güter müssen vom chilenischen Festland eingeflogen oder mit Versorgungsschiffen gebracht werden. Weil Rapa Nui keinen richtigen Hafen hat, ankern das monatliche Versorgungsschiff und die zuweilen eintreffenden Kreuzfahrtschiffe weit draußen vor der Küste. Güter und Personen werden dann mit Booten oder Spezial-Wasserfahrzeugen an Land gebracht. Surfen kann man nicht nur auf den Pazifik-Wellen, sondern jetzt auch in Internet-Cafes oder am eigenen Computer. Es gibt eine Radio- und eine TV-Station, via Satellit kommen zwei TV-Kanäle ins Haus. Eine Insel-Zeitung jedoch gibt es immer noch nicht. Das Handy ist auf dem Vormarsch, zunächst aber bloß innerhalb des Dorf-Gebietes nutzbar. Einmal im Jahr erwacht die Osterinsel aus ihrem Dämmerzustand - beim traditionellen Tapati-Festival im Februar. Der zweiwöchige kulturelle und sportliche Wettbewerb hat das Ziel, eine neue Königin zu krönen. Die Funktion der Queen (sie muss noch Jungfrau sein und möglichst eine reinrassige Rapa Nui) beschränkt sich aber auf Repräsentationspflichten, sie übt keine politische Macht aus. Monatelang bereiten sich die Kandidatinnen mit ihren Teams auf das Ereignis vor. Glanzlichter des Folkore-Festivals sind mitreißende Tanz- und Gesangs-Shows sowie eine bunte Straßen-Parade, für die sich fast alle Teilnehmer mit Symbolen und Motiven der Insel-Mythologie bemalen. Lendenschurz bei Männern und ein Feder- oder Binsenrock bei Frauen zählen dabei zu den typischen Kleidungsstücken. Die Osterinsel ist - trotz Veränderungen - geblieben, was sie immer war: Eine andere, stille Welt, ein faszinierendes Freilichtmuseum voller Geheimnisse. Zum Abschied muss ich Carlos versprechen, nicht erst nach 18 Jahren wiederzukommen. Was ich gern tue!

G. Weller-Foto: Kratersee des Rano Kau-Vulkans

Share

Copyright © NEUSEELAND-AUSTRALIEN-PAZIFIK NEWS
Disclaimer
Last updated 12 August 2011


G. Weller-Foto: TAPATI-FESTIVAL. Drei junge Tänzerinnen des traditionellen Folklore-Festivals,zu dessen Höhepunkten mitreißende Tanz-und Gesangs-Shows gehören. Dieses bedeutendste Fest der Osterinsel findet immer im

OSTERINSEL-INFOS

Anreise: Ab Deutschland mit LAN Chile von Frankfurt/Main via Madrid nach Santiago (Chile) und weiter zur Osterinsel. Oder mit Lufthansa von Frankfurt / Main nach Los Angeles (USA), dann mit Air Tahiti Nui bis Papeete (Tahiti) und mit LAN Chile zur Osterinsel. Ab Neuseeland (Auckland) mit Air New Zealand oder Air Tahiti Nui bis Papeete. Einreise: Reisepass, der mindestens noch sechs Monate gültig sein muss. Bei der Ankunft erhält man eine Besucher-Aufenthaltserlaubnis für 90 Tage. Klima: Subtropisches Seeklima. Die Osterinsel liegt außerhalb der Wirbelsturm-Zone. Beste Reise-Zeiten: Sommer (Dezember - Februar / um 28 Grad C), aber auch Frühlings-Ende (November) und Herbst-Anfang (März). Der meiste Regen fällt im Mai. Währung: Chilenischer Peso. Die einzige Bank ("Banco Estado") tauscht problemlos Euros und US-Dollars. Als Zahlungsmittel wird auch der US$ akzeptiert. Auskunft (Websites): Tourismus Chile: www.sernatur.cl/Tourismus-Büro Hanga Roa: www.visitrapanui.cl /Schmid Osterinsel-Reisen: www.osterinsel.ch / Verein Osterinsel-Freunde: www.osterinsel-freunde.de